Samuel Herzog

Reise durch das Schwein Teil 6 und Ende

Ja, Sie haben ihn verpasst, den 5. Teil der Reise durch das Schwein. Er war ganz und gar dem Kè, dem Herzen des Tieres gewidmet, das im Quartier de la Miosa eine besondere Rolle spielt , wo man sagt: «Ah! Sa jōk kè kochon!» Doch selbstverständlich können Sie nachlesen, was das Sprichwort zu bedeuten hat – oder Sie schauen sich gleich die kleine Kochsendung an, die das lemusische Fernsehen nie ausstrahlen wird.

Der sechste und letzte Teil der Reise nun stellt eine kleine Verbeugung vor dem britischen Koch Fergus Henderson dar, der 1999 mit seinem Buch Nose to Tail Eating – A Kind of British Cooking eine neue Mode begründet hat, die vielen Lippenbekenntnissen zum Trotz doch nie in Mode gekommen ist: das Kochen und Essen von Innereien und Extremitäten, mit denen jedes Schlachttier ausgestattet ist, das uns die beliebten Schnitzel und Steak, Saftplätzchen und Sauerbraten liefert. Zum Abschluss der Reise werden also die Schnauze und das Schwänzchen des Schweins in den Focus gerückt. Die Kè, das Schwänzchen kommt sogar in der Nationalhymne vor, wo es heißt: «Le cochon fait trembler sa queue / Et on jouit c‘est délicieux». Und die Schnauze (Musel) führt traditionell die Studenten der Académie des beaux-arts im Quartier du Château auf den Weg der Kunst.

A propos Kunst. Die ganze, 16teilige Reise durch das Schwein, die Sie hier als handliches PDF Heftchen herunterladen können, ist auch Teil der Arbeit, mit der ich dieser Tage an der Hochschule Luzern zu künstlerischen Master-Ehren zu kommen hoffe. Die ganze Abschlussausstellung wird heute in Digitalien eröffnet unter www.kumasch.ch. Da gibt es viel zu entdecken, unter anderem natürlich auch eine virtuelle Metzgerei, in der sie Oskar Seugrem mit allem bedient, was das Schwein zwischen Cerbell und Stomak kulinarisch zu bieten hat.

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Reise durch das Schwein Teil 4

Vor einigen Tagen verkündeten die Medien mit einem leichten Lächeln auf den Stockzähnen, dass nun endlich eine Schweizer Großmetzgerei Schweinefüße nach China exportieren dürfe – nach Jahren aufwendiger Verhandlungen und diversen Anpassungen an die hohen Hyginevorstellungen der Kunden. Rund 6000 Tonnen pro Jahr sollen es sein, das wären etwa 20 Millionen Füße. Großartig für den Metzger, großartig für Chinas Feinschmecker. Aber ist das auch gut für Europas Gaumenakrobaten? Und wäre es nicht noch besser, die Füße würden da verzehrt, wo das Filet im Teig und das Kotelett auf dem Grill landet? Der Fuss vom Schwein hat kulinarisch zahlreiche Vorzüge. Er kann ganz als herrlich-klebriger Knabbergenuss zubereitet werden, gedämpft, gekocht, gegrillt, paniert, im Ofen überbacken. Oder man stellt mit wenig Aufwand eine Sülze aus ihm her. Und wenn man eine Sauce zubereitet, eine Suppe oder ein Linsengericht köchelt, dann sorgt ein Stück Schweinefuss darin für Aroma und Kraft.

All dies weiss man auch auf Lemusa sehr wohl zu schätzen. Ja wenn einer Sache das gewisse Etwas fehlt, dann heisst es auf der Insel gar: «Ya bon, magis li mank lè pié di kochon!» Warum man das sagt und wie man den Fuss vom Schwein auf Lemusa zubereitet, erfahren sie in dem kleinen Heft über das Quartier Vapeur, das 11. Soutège von Port-Louis, wo ein Metzger im 20. Jahrhundert dem Fuss in besonderer Weise huldigte. Ein anderer, noch wohlfeilerer Teil vom Schwein ist eng mit der Geschichte des Quartier de l’Université und der Kabakisation der Hauptstadt im 19. Jahrhundert verknüpft: die Haut. Geradezu ein Luxusartikel ist dagegen die Zunge, die im Quartier de l’Hôtel de Ville eine ganz besondere Rolle spielt und auf der Insel nicht nur als Symbol für eine aufrichtige und gradlinige Ausdrucksweise steht, sondern sogar als ein bedeutungsvolles Sternzeichen angesehen wird – schreibt doch ein gewisser Fagotus in den für ihr haarsträubendes Latein bekannten Miscellanea inusitata : «Illa nocte stellae septem fabricantur lingua sueris. Signum maximum veritatis est.» («In jener Nacht formen sieben Sterne die Zunge eines Schweins. Das ist das höchste Zeichen der Wahrheit.»)

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Eine mikronationale Bescherung

Beim Coiffeur in Noseland am 18. April 2020. (Bild Bruno Schlatter)

Als das Reisen noch möglich war und sich die negativen Gefühle, die sich mit dem Unterwegssein verbanden, noch in erträglichen Grenzen hielten, habe ich meine Haare in den Tourismus geschickt. Das war vor bald zehn Jahren. Seither habe ich mich für jeden Haarschnitt in ein anderes Land begeben, was mir die unterschiedlichsten Schnitte und so manch kleines Abenteur beschert hat.

Der ästhetische Notstand auf meinem Haupt gepaart mit der gegenwärtigen Unmöglichkeit, das Territorium der Schweiz zu verlassen, haben mich auf die Idee gebracht, den Begriff Land auf Mikronationen auszuweiten. Also habe ich beim König von Noseland (mehr dazu) angefragt, ob ich mich für die Dauer eines Haarschnitts in sein Reich begeben dürfe. Bruno der Erste und Letzte hatte die Güte, mir diese Tonderienz* zu gewähren. Also bin ich am 18. April in die Noseländische Tiefebene gereist, habe mir im Salon La Couronne das Haupt richten lassen und das wie üblich in einem dreiminütigen Videoclip dokumentiert. Gleichzeitig hat der Schriftsteller und Künstler Bruno Schlatter den ganzen Prozess von aussen mit der Kamera festgehalten und das Material zu einem kurzen Film zusammengestellt.

Im Sommer 2010 und hat sich Bruno Schlatter auf eine grosse Reise zu den kleinsten Nationen der Welt begeben und seine Erfahrungen mit und in diesen Mikronationen in einem Buch zusammengefasst, dass man hier bestellen kann.

Für weitere Reisen:

* Königliche Erlaubnis, mit der Schere auf dem Territorium des Reiches tätig zu werden, von lateinisch tondēre = «(Haare) schneiden.

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Reise durch das Schwein Teil 3

In einem Pariser Schlachthof trinken Damen ein Gläschen Blut – vermutlich, um sich vor Tuberkulose zu schützen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und bis ins 20. Jahrhundert hinein war man überzeugt, dass der Konsum von tierischem Blut der Gesundheit äusserst förderlich sei. Also kursierten zahllose Mittelchen auf der Basis von Blut, beworben mit den höchsten Versprechungen. Namentlich war man sicher, dass Blut gegen Tuberkulose helfe und so schauten etwa die Damen der Pariser Bourgeoisie vor dem Einkauf bei Bon marché oder Printemps schnell auf ein Gläschen Ochsenblut in den Abattoires vorbei.

Heute tauchen in den Schlachthöfen nur noch selten blutdurstige Damen auf. Interessant geblieben ist der Stoff aber für die Küche, wo er zum Beispiel Eier ersetzen kann oder Saucen und Fleischgerichten Tiefe und eine herrliche Konsistenz verleiht – «ein außergewöhnliche Erfahrung», wie die Köchin Susanne Vögeli meint. Auf Lemusa weiss man insbesondere das Blut vom Schwein zu schätzen und kocht einen süßen Pudding daraus, der Zinzolin heisst. Allerdings erinnert das Blut auch an eine Zeit, als man Schweine in der Hauptstadt Port-Louis vor Gericht und sogar an den Pranger stellte. Düstere Zeiten. Mehr dazu in dem kleinen Heft über das Quartier du Port, wo das Blut vom Schwein eine besondere Rolle spielt.

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Inseln im Kopf: Aurora

Spätestens seit der Seereise des Heilige Brendan aus Kerry um 570 sind in allen Jahrhunderten und allen Ozeanen dieser Welt immer wieder Inseln aufgetaucht – und meist auch wieder verschwunden. Manche verdankten sich der Erfindung von Dichtern, andere der Einbildung von Seeleuten, Dritte dem Kalkül von Unternehmern, wobei die Grenzen zwischen den verschiedenen Motivationen selten ganz scharf gezogen werden können.

Da einem das Reisen im Realraum gegenwärtig nicht übertrieben schmackhaft gemacht wird, liegt es fast schon auf der Hand, sich im Kopf auf große Fahrt zu begeben und einige dieser Behauptungen zu betreten.

Die Aurora-Inseln wurden erstmals 1504 von Amerigo Vespucci beschrieben und dann erst 1762 wieder vom spanischen Handelsschiff Aurora gesichtet, dem sie ihren Namen verdanken. Ein letztes Mal tauchten sie am 6. Dezember 1856 auf. Die jüngste Karte, auf der sie verzeichnet sind, haben Laurie & Whittle 1808 herausgegeben. Die ausführlichste Beschreibung der Entdeckungsgeschichte der Auroras liefert Henry M. Stommel: Lost Islands – The Story of Islands That Have Vanished from Nautical Charts. University of British Columbia Press, 1984.

Die Landung auf Aurora kann wahlweise im Zeitungsformat erfolgen oder (mit einer Seite aus dem Tagebuch des Reisenden) als PDF im Format A4.

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VierzigTageBuch

Der Rotpunktverlag, bei dem ich meine letzten beiden Bücher veröffentlichen durfte, war ökonomisch nie auf Rosen gebettet – und droht nun tief ins Dornige abzurutschen. Er hat deshalb am 18. März ein VierzigTageBuch lanciert und veröffentlicht jeden Abend um 18 Uhr auf Facebook und Instagram einen aktuellen Text einer Autorin, eines Autors – wer weder Facebook noch Instagram bedienen möchte, kann die Texte auch per Mail an vertrieb@rotpunktverlag.ch abonnieren.

Nach Rolf Hermann und Romana Ganzoni habe ich heute die Ehre, eine Petitesse beizusteuern, einen kleinen Windstoss sozusagen. 

Mit der Aktion verbunden ist ein Crowdfunding, mit dem der Rotpunktverlag eine Notfall-Summe von 40’000 Franken sammelt, um so die akuten Umsatzausfälle wenigstens teilweise zu kompensieren.

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«Das ist hier keine Anlaufstelle für Schiffe»

Das Ende der Welt hat einen Wächter. Er heißt Alex und harrt seit 38 Jahren an derselben Stelle aus – mal auf der Südseite des Tores, mal auf der Nordseite. Abwechslung muss sein.

So beginnt ein etwas längerer Text, den ich vor drei Jahren im Süden Indiens geschrieben habe, genauer in Kanyakumari. Er ist kürzlich in der Zeitung erschienen und so kann ich ihn nun auch auf meiner Seite zugänglich machen – wahlweise im Zeitungsformat oder (mit mehr Bildern) als PDF im Format A4.

Zum Text passt ein Rezept für die südindischen Reis-Dal-Pfannkuchen Dosa, das ich zusammen mit Susanne Vögeli entwickelt habe. Weitere Rezepte aus Indien finden sich in einem 325 Seiten starken PDF-Buch im Format A4, das der Rotpunktverlag als Extra zum gedruckten Buch Indien im Augenblick unentgeltlich zur Verfügung stellt (Link «Download Rezepte» unterhalb des Buchcovers).

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Reise durch das Schwein Teil 2

Die Reise durch das Schwein geht weiter. Am kommenden Freitag stelle ich zusammen mit Susanne Vögeli in ihrem Raum Acht in Aarau vor, was man mit Fett, Hirn und Milz des Tieres anstellen kann. Natürlich sind auch diese Stücke eng mit Geschick und Geschichte der Insel Lemusa verknüpft. So bietet etwa das Fett die Gelegenheit zu einem Besuch in Palèpolis, wo die Direktion der Police national residiert. Wir erfahren, wie ein flambiertes Hirn den Untergang des Institut du plaisir herbeiführen konnte. Und wir lernen auch, warum das Aufbrechen der Milz das Ende allen Trübsinns bedeutet – und was dies wiederum mit der Antarktis, mit Pinguinen, dem Gewürz Aristo und der Donnerode von Telemann zu tun hat.

Workshop Fett, Hirn, Milz
Freitag, 28. Februar 2020
19 bis 22 Uhr
im
Raum Acht
Bahnhofsstrasse 8 in Aarau
40 Franken pro Person (incl. ein Glas Wein)
Anmeldung per Mail: info@samuelherzog.net

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Reise durch das Schwein Teil 1

Finissage im Kunstraum Eck. (Bild Sadhyo Niederberger)

Von November bis Januar 2020 habe ich im Kunstraum Eck, der von Sadhyo Niederberger kuratiert wird, jede Woche ein anderes Organ vom Schwein vorgestellt, das kulinarisch heute kaum noch zu Ehren kommt: Leber, Magen, Niere, Ohr, Zwerchfell und Lunge. Dazu passend habe ich Sprichwörter und Legenden aus Lemusa erläutert, in denen diese Stücke eine besondere Rolle spielen. Zusammen mit Susanne Vögeli habe ich in ihrem Raum Acht Workshops veranstaltet. Interessierte hatten so die Möglichkeit, sich in entspanntem Rahmen an die fremden Speisestücke anzunähern (mehr zum Projekt als PDF). Der erste Teil der kulinarischen Reise durch das Schwein ist somit abgeschlossen, alle Rezepte, Kapitel zum Kontext etc. können nun als PDF heruntergeladen werden.

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Lemusischer Gaumenspaziergang in Zürich

Am Freitag, 24. Januar lädt der Kulturmarkt an der Aemtlerstrasse 23 in Zürich zu einer kleinen Reise über die Insel Lemusa ein – für Gaumen, Nase, Ohr und Augen. Der kulinarische Spaziergang beginnt in Gwosgout (PDF-Heft der Gegend), wo die Pagode de la paresse das Rezept Nr. 1568 auftischt – ein Tartar aus Randen, Sellerie, Karotten und Pilzen (Rezept als PDF). Aus der Küche der Degeyters in Ada (PDF-Heft der Gegend) stammt sodann das Rezept für eine Haxe vom Kalb mit Limette, Quitte und natürlich Safran, den die Familie ja seit Generationen produziert (Rezept als PDF). Für den süßes Abspann geht es weiter nach Les Balcons (PDF-Heft der Gegend), wo der Kardamom wächst, der einen Bananeneis aromatisiert (Rezept als PDF).

In der Küche wirkt Alexandra Freytag, Samuel Herzog erläutert von Gang zu Gang die Hintergründe des kulinarischen Glücks – und Dieter Sinniger führt als Conférencier durch den Abend. Die kleine Reise kostet 45 Franken pro Person (Getränke nicht eingeschlossen) und beginnt um 19.00 (Apéro ab 18.30). Es gibt nur noch wenige Plätze, zu reservieren über 044 457 10 30 oder via info@kulturmarkt.ch.

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