Einladung zum Ausmisteln

Am 11. April von 14-18 Uhr kann die Ausstellung Misteln in der Villa Renata in Basel ein letztes Mal besichtigt werden – in Anwesenheit aller sechs Künstlerinnen (Susan Fankhauser, Samuel Herzog, Esther Hunziker, Edit Oderbolz, Elisabeth Ritschard, Clara Saner).

Zur Finissage lese ich ab 17 Uhr einige Berichte über die Abenteuer vor, die der Käfersammler Ruben Schwarz auf der Insel Lemusa erlebt hat – die ultimative Gelegenheit, den Gargol, die Tragùde, den Waschkiri oder einen der 14 anderen Käfer in einem der Terrarien zu entdecken. Die Lesung findet in der Villa selbst live per Jitsi statt (idealerweise bringen Sie Ihre Kopfhörer mit). Sie kann aber auch von zu Hause aus mitverfolgt werden. Den Link zum Jitsi-Raum finden Sie im Salon Karabé unter der Adresse https://samuelherzog.net/salon-karabe

Nach der Lesung stoßen wir im Garten auf den Abschluss der Ausstellung an.

Misteln in Basel


Titelblatt des Schiwan-Buches von Séraphone Bischi mit sesoulistischem Heiligtum und anfliegender Amsel.

Am Samstag, 20. März 2021 (von 14 bis 18 Uhr) habe ich das Vergnügen, gemeinsam mit Susan Fankhauser, Esther Hunziker, Edit Oderbolz, Elisabeth Ritschard und Clara Saner in der Basler Villa Renata die Ausstellung Misteln zu eröffnen (Flyer zur Ausstellung mit Öffnungszeiten). Das Wort Misteln evoziert eine ganze Reihe von Dingen: heimische Wurzelparasiten, das Vermischen, Nebel und Kuhfladen. Folglich geht es in der Schau um Mixturen, nebelhafte Zustände, parasitäre Strategien und befruchtende Stoffe.

In der Villa Renata zeige ich erstmals fünfzehn der eigentümlichen Insekten, die der Entomologe Ruben Schwarz auf Lemusa entdeckt hat. Einige krabbeln durch das große Terrarium in der Garage vor der Villa, andere gibt es in kleineren Terrarien im Haus zu entdecken. Im Rahmen einer Lesung, deren Datum aus gegenwärtig übl(ich)en Gründen noch nicht feststeht, werde ich auch einige der Abenteuer schildern, die Ruben Schwarz bei seiner Suche nach den kleinen Tierchen erlebt hat.

Im Keller des Hauses hängt ein sesoulistisches Tempelchen. Sollten Sie Wünsche haben, deren Erfüllung Sie tatsächlich freuen würde, können Sie sich aus dem riesigen Pantheon eine passende Gottheit auswählen und ihren Schiwan an die Säulen des kleinen Heiligtums knüpfen. Sollten Sie noch nicht mit dieser Religion vertraut sein, hilft sicher die Lektüre dieser kurzen Einführung in den Sesoulismus.

Außerdem betreibe ich an den Sonn- und Feiertagen in der Villa ein lemusisches Honorarkonsulat. Sollten Sie also noch kein Visum für die Insel in Ihrem Pass haben, böte sich da eine gute Gelegenheit. Sie können sich optimal darauf vorbereiten, indem Sie bereits zu Hause das etwas knifflige Antragsformular ausfüllen, das Sie hier herunterladen können.

Ausstellung 20. März bis 11. April 2021
Donnerstag und Freitag von 16 bis 20 Uhr
Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr

Villa Renata Socinstrasse 16 in Basel
www.villa-renata.ch

Das lemusische Honorarkonsulat ist jeweils am Sonntag von 14 bis 18 Uhr besetzt, ausserdem am Karfreitag von 16 bis 20 Uhr.

Sofousi oder Neujahr auf Lemusa

Sofousi war ursprünglich nur die Beschützerin der Zitrushaine. Seit etwa zweihundert Jahrhundert wird sie aber auch als Gottheit des Neujahrsfestes verehrt, das heute sogar ihren Namen trägt.

Im Ludwig Forum Aachen findet noch bis zum 11. April 2021 eine Ausstellung zum Thema Reisen in der Kunst der Gegenwart statt, die allerdings aus den gegenwärtig üblichen Gründen noch nicht eröffnet werden konnte. Zu Bon Voyage! gehört aber auch ein Reiseblog, der die Besucherinnen und Besucher laufend in die verschiedensten Himmels- und Hirnrichtungen aufbrechen lässt.

Zu Silvester lädt das Museum seine Gäste auf die kleine Insel Wula ein, die dreizehn Pep vor der Côte du Livan liegt und Sofousi, wie das Neujahrfest in Lemusa genannt wird, auf ganz eigene Weise begeht: Während die Männer sich mit Stühlen in die Brandungszone setzen, steigen die Frauen zur Spitze eines Vulkans auf und schiessen Raketen in den Himmel. Natürlich gehören zum Fest auch kulinarische Traditionen, bei denen die Zitrusfrüchte eine wichtige Rolle spielen, die auf dem Inselchen angebaut werden. Alle Details erfahren Sie hier.

Lemusisches Weihnachtsrätsel

Da das Reisen im Realraum gegenwärtig etwas kompliziert ist, bietet sich dieser Tage vielleicht ein Spaziergang über die fiktive Insel Lemusa an. Die Online-Karte des Landes offeriert Einstiegspunkte zuhauf. Und wenn Sie sich wandernd in die Lage bringen, die nachfolgenden fünf Fragen richtig zu beantworten, dann sende ich Ihnen gerne meine jüngste Publikation in gedruckter Form zu. Das Heft im Postkartenformat (hier als PDF) entstand im Zusammenhang mit einer Ausstellung im Gefängnis Willisau und lädt ebenfalls zum Reisen im Kopf ein.

Wenn Sie die Buchstaben hinter den richtigen Antworten aneinanderreihen, erhalten sie ein lemusisches Substantiv, die Bezeichnung für einen kleinen Inselbewohner. Schicken Sie das richtige Wort per Mail an info@samuelherzog.net und geben Sie Ihre Postadresse an.

Seit wann ist die Insel Lemusa eine Diktatur?
2010 – B
2014 – T
2016 – S

In welcher Gemeinde gab es eine Fabrik, die während Jahren europäisches Porzellan fälschte?
Bouden – A
Enanel – O
Tivinis – E

In welchem Ort liegt das oben abgebildete Restaurant?
Sentores – P
Paris – R
St-Benoît-des-Ondes – N

Wie heißt der berühmte Pudding aus Schweineblut, Kakao und Zucker, der im Quartier de l‘Hôtel de Ville zubereitet wird?
Sanguinolle – U
Zinzolin – I
Popudding – E

Von wem stammt der Spruch «Homo homini virus est»
Plautus – R
Jean-Marie Tromontis – M
Izak Boukman – S

«Im wahrsten Sinne ein Nahrungsmittel»

Ich habe das Vergnügen, jeweils ein Mundstück für das Journal Culinaire schreiben zu dürfen. In der jüngsten Nummer, die eben erschienen ist, widme ich mich einem besonders großen und reichen Thema: der Kartoffel, von der Alexandre Dumas gesagt hat, sie sei «im
wahrsten Sinne ein Nahrungsmittel». Die Geschichte nimmt ihren Anfang in Südamerika, aber auch im Kohlenkeller meiner Grosseltern (PDF des Beitrags im Journal culinaire).

Das Journal Culinaire wird von Thomas Vilgis und Martin Wurzer-Berger herausgegeben, erscheint alle sechs Monate und rückt jeweils ein Thema aus der Welt des Essens und Trinkens in den Vordergrund. Nach zwei Nummern, die sich dem Bier brauen und dem Bier trinken gewidmet haben, kümmert sich die gegenwärtige Ausgabe um Sauerteige. Da geht es um Lebensgemeinschaften im Sauerteig, um Fragen der Zeit, um Hefe und Gluten, um einheimische Traditionen und fremde Kulturen (Editorial und Inhalt als PDF). Mehr dazu auf der Webseite des Journals, wo sich auch Einzelhefte bestellen lassen.

«Im abendroten Schaum der Lakkadivensee…»

Als der Hilfskoch Ruben Schwarz erfuhr, dass er wegen eines gestohlenen Kochrezepts ins Gefängnis von Willisau wandern würde, schickte er sofort all seinen Bekannten weltweit ein Willisauer Ringli mit der Bitte, ihm per Postkarte zu erzählen, wo und wie sie die süße Leckerei genossen hatten. Ruben wurde dann zwar doch nicht eingebuchtet, das Gefängnis Willisau aber erhielt während Monaten immer wieder Post aus aller Welt.

Im Rahmen der Ausstellung Eingefangen und ausgestellt , die am 15. Oktober um 17 Uhr im ehemaligen Gefängnis von Willisau eröffnet, werde ich in Zelle Numer 6 eine Reihe dieser Postkarten zeigen. Die Reise beginnt nur 30 km südlich von Willisau und endet, nun, ziemlich weit weg.

Nicht echt, aber authentisch

Seit Frühling dieses Jahres hängt ein Bild der lemusischen Fotografin Anne Bigord im Kunstmuseum Luzern, im rosaroten Raum der von Alexandra Blättler kuratierten Ausstellung «Alles echt !» (bis 22. November 2020). Aus diesem Anlass laden die Kuratorin und ich am Montag, 7. September um 18 Uhr zu einem Spaziergang über Lemusa ein. Im Zentrum steht die neue Webseite, über die sich die verschiedensten Winkel der Insel ansteuern, die unterschiedlichsten Facetten der lemusischen Kultur entdecken lassen. Gleichzeitig zeige ich zum ersten Mal die neue, sieben Bände umfassende Lemusa-Dokumentation. Die kleine Reise beginnt um 18 Uhr im Café des Kunstmuseums, das an diesem Abend ausnahmsweise geöffnet hat . Anmeldungen sind willkommen – per Telefon +41 41 226 78 00 oder per Mail an alexandra.blaettler@kunstmuseumluzern.ch .

Lemusa in sieben Baenden

Seit Ende Juli 2020 liegen die Informationen über die fiktive Insel Lemusa in Gestalt einer sieben Bände umfassenden Dokumentation vor. Jeder Band ist einer Region der Insel gewidmet und stellt die Topographie und Kultur der einzelnen Landesteile in Text und Bild vor. Ausserdem enthalten diese Bücher zahlreiche Rezepte, Hintergründe zu inseltypischen Gewürzen, Erzählungen und Legenden. Alle Informationen können über die Webseite www.lemusa.net aufgerufen werden. Im Zentrum dieser Seite steht eine Karte der Insel, die mit zahlreichen Hotspots versehen ist. Per Mausklick lassen sich so Hefte über einzelne Ortschaften und ihre Umgebung herunterladen. Im Osten der Insel treiben verschiedene Bojen, über die man zu den Büchern der einzelnen Regionen gelangt, aber auch die Blätter zu den Gewürzen aufrufen oder sich ein Visum ausstellen lassen kann. Eine Boje, die von ihrem Gewicht etwas stärker unter Wasser gezogen wird, führt direkt zur ersten Ausgabe eines PDF-Buchs, das alle sieben Regionen umfasst. Eine andere Boje von etwas geheimnisvoller Gestalt lotst zum Buch über die Mission Kaki.

Reise durch das Schwein Teil 6 und Ende

Ja, Sie haben ihn verpasst, den 5. Teil der Reise durch das Schwein. Er war ganz und gar dem Kè, dem Herzen des Tieres gewidmet, das im Quartier de la Miosa eine besondere Rolle spielt , wo man sagt: «Ah! Sa jōk kè kochon!» Doch selbstverständlich können Sie nachlesen, was das Sprichwort zu bedeuten hat – oder Sie schauen sich gleich die kleine Kochsendung an, die das lemusische Fernsehen nie ausstrahlen wird.

Der sechste und letzte Teil der Reise nun stellt eine kleine Verbeugung vor dem britischen Koch Fergus Henderson dar, der 1999 mit seinem Buch Nose to Tail Eating – A Kind of British Cooking eine neue Mode begründet hat, die vielen Lippenbekenntnissen zum Trotz doch nie in Mode gekommen ist: das Kochen und Essen von Innereien und Extremitäten, mit denen jedes Schlachttier ausgestattet ist, das uns die beliebten Schnitzel und Steak, Saftplätzchen und Sauerbraten liefert. Zum Abschluss der Reise werden also die Schnauze und das Schwänzchen des Schweins in den Focus gerückt. Die Kè, das Schwänzchen kommt sogar in der Nationalhymne vor, wo es heißt: «Le cochon fait trembler sa queue / Et on jouit c‘est délicieux». Und die Schnauze (Musel) führt traditionell die Studenten der Académie des beaux-arts im Quartier du Château auf den Weg der Kunst.

A propos Kunst. Die ganze, 16teilige Reise durch das Schwein, die Sie hier als handliches PDF Heftchen herunterladen können, ist auch Teil der Arbeit, mit der ich dieser Tage an der Hochschule Luzern zu künstlerischen Master-Ehren zu kommen hoffe. Die ganze Abschlussausstellung wird heute in Digitalien eröffnet unter www.kumasch.ch. Da gibt es viel zu entdecken, unter anderem natürlich auch eine virtuelle Metzgerei, in der sie Oskar Seugrem mit allem bedient, was das Schwein zwischen Cerbell und Stomak kulinarisch zu bieten hat.

Reise durch das Schwein Teil 4

Vor einigen Tagen verkündeten die Medien mit einem leichten Lächeln auf den Stockzähnen, dass nun endlich eine Schweizer Großmetzgerei Schweinefüße nach China exportieren dürfe – nach Jahren aufwendiger Verhandlungen und diversen Anpassungen an die hohen Hyginevorstellungen der Kunden. Rund 6000 Tonnen pro Jahr sollen es sein, das wären etwa 20 Millionen Füße. Großartig für den Metzger, großartig für Chinas Feinschmecker. Aber ist das auch gut für Europas Gaumenakrobaten? Und wäre es nicht noch besser, die Füße würden da verzehrt, wo das Filet im Teig und das Kotelett auf dem Grill landet? Der Fuss vom Schwein hat kulinarisch zahlreiche Vorzüge. Er kann ganz als herrlich-klebriger Knabbergenuss zubereitet werden, gedämpft, gekocht, gegrillt, paniert, im Ofen überbacken. Oder man stellt mit wenig Aufwand eine Sülze aus ihm her. Und wenn man eine Sauce zubereitet, eine Suppe oder ein Linsengericht köchelt, dann sorgt ein Stück Schweinefuss darin für Aroma und Kraft.

All dies weiss man auch auf Lemusa sehr wohl zu schätzen. Ja wenn einer Sache das gewisse Etwas fehlt, dann heisst es auf der Insel gar: «Ya bon, magis li mank lè pié di kochon!» Warum man das sagt und wie man den Fuss vom Schwein auf Lemusa zubereitet, erfahren sie in dem kleinen Heft über das Quartier Vapeur, das 11. Soutège von Port-Louis, wo ein Metzger im 20. Jahrhundert dem Fuss in besonderer Weise huldigte. Ein anderer, noch wohlfeilerer Teil vom Schwein ist eng mit der Geschichte des Quartier de l’Université und der Kabakisation der Hauptstadt im 19. Jahrhundert verknüpft: die Haut. Geradezu ein Luxusartikel ist dagegen die Zunge, die im Quartier de l’Hôtel de Ville eine ganz besondere Rolle spielt und auf der Insel nicht nur als Symbol für eine aufrichtige und gradlinige Ausdrucksweise steht, sondern sogar als ein bedeutungsvolles Sternzeichen angesehen wird – schreibt doch ein gewisser Fagotus in den für ihr haarsträubendes Latein bekannten Miscellanea inusitata : «Illa nocte stellae septem fabricantur lingua sueris. Signum maximum veritatis est.» («In jener Nacht formen sieben Sterne die Zunge eines Schweins. Das ist das höchste Zeichen der Wahrheit.»)